Infoveranstaltung über Studienfahrt in den Kosovo

Kritische Perspektiven auf die aktuelle Abschiebepolitik und die Diskriminierungen von Roma

Mittwoch 17. Okt. 2012 19 Uhr
KH-Freiburg (Karlstraße 68) Haus 2 – Raum 2000
http://www.kh-freiburg.de

Studierende der Sozialen Arbeit der (KH-Freiburg) berichten von ihren Erfahrungen und Eindrücken ihrer Studienreise im Juni 2012 in den Kosovo.

„Aufgrund der Aktualität der Abschiebungen von Roma aus Deutschland in den Kosovo haben wir bei unserer Reise einen besonderen Blick auf die Lebenssituationen der Minderheiten der Roma, Ashkali und Ägypter (abgekürzt RAE) geworfen und uns über die Situation von freiwilligen und unfreiwilligen Rückkehrern informiert.“

Spannend sind die Erkenntnisse im Kontext des Ergebnisses des baden-württembergischen Petitionsausschuss der im Frühjahr im Kosovo war und zum Ergebnis gekommen ist das „keine Diskriminierung im Sinne eines Abschiebehindernisses“ besteht und die Abschiebungen von Roma forciert.

 

Mehr Infos:

„No opportunities for Roma in Kosovo“1

Infoveranstaltung über Studienfahrt in den Kosovo von Studierenden der KH Freiburg
am Mittwoch, 17.10.2012 um 19 Uhr
Raum 2000
an der Katholischen Hochschule Freiburg

Im Juni 2012 haben wir als eine Gruppe Studierender der Sozialen Arbeit, mit dem Studienschwerpunkt Migration, eine Studienfahrt in den Kosovo unternommen, um einen Einblick in das Land und die Lebenslagen der Bevölkerung zu bekommen. Innerhalb einer Woche haben wir, hauptsächlich in der Hauptstadt Pristina, zahlreiche NGO´s und Projekte besucht und kamen dabei mit vielen Menschen ins Gespräch. Aufgrund der Aktualität der Abschiebungen von Roma aus Deutschland in den Kosovo haben wir bei unserer Reise einen besonderen Blick auf die Lebenssituationen der Minderheiten der Roma, Ashkali und Ägypter (abgekürzt RAE) geworfen und uns über die Situation von freiwilligen und unfreiwilligen Rückkehrern informiert.
Der Kosovo hat im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. Die Situation im Land selbst ist bis auf die Grenzgebiete zu Serbien im Norden des Kosovo friedlich. Im Norden gibt es immer wieder Spannungen zwischen Albanern und dort lebenden Serben, die oft in gewalttätigen Auseinandersetzungen enden. Die Bevölkerung des Landes setzt sich zusammen aus einer Mehrheit von Albanern (91%), und den kleineren Bevölkerungsgruppen: 4% Serben und 5 % ethnischer Minderheiten, darunter Roma, Ashkali, Ägypter und andere.
Die Situation der Roma im Kosovo ist geprägt von Diskriminierung in allen Lebensbereichen und Armut. Im Gespräch mit Roma wurde uns immer wieder bestätigt, dass Diskriminierung der Minderheit an der Tagesordnung ist. Viele von ihnen leben in einfachen Siedlungen in ärmsten Verhältnissen, wie wir auch selbst in einer Romasiedlung in Ferizaj, in der Nähe Pristinas, sehen konnten. Hinzu kommt eine extrem hohe Arbeitslosigkeit in Kosovo generell und damit auch unter Roma, schlechte bis gar keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt, eine mangelnde Gesundheitsversorgung, sowie geringe Sozialleistungen. Durch die häufig fehlende Registrierung von Roma im Kosovo wird ihnen der Zugang zu Sozialleistungen und Gesundheitssystem zusätzlich erschwert. In diesem Bereich engagiert sich unter anderem eine der Einrichtungen, die wir besuchen durften: Das Roma Ashkali Documentation Center, das sich um die Registrierung der Minderheitsangehörigen bemüht.
In Pristina gibt es unter anderem für Rückkehrer aus Deutschland das deutsche Reintegrationsprogramm URA 2. Dieses wird getragen und finanziert vom Bundesamt für Migration und Flucht. Während unserer Studienfahrt waren wir bei URA 2 und das Programm wurde uns von der Leiterin Frau Budde vorgestellt. Angeboten wird die Unterstützung bei der Wohnraum- und Arbeitsplatzsuche, sowie die Zahlung der Miet- und Lebenshaltungskosten für 6 Monate.
Besonders dramatisch ist die Situation der abgeschobenen Kinder, wie eine Studie von UNICEF belegt und wie uns im Gespräch mit Beate Dastel im UNICEF-Büro in Pristina beschrieben wurde. Eine Abschiebung stellt immer einen radikalen Einschnitt dar und ist besonders für Kinder traumatisierend. Das Kindeswohl ist durch Abschiebung und die Lebensumstände im Kosovo, die unter anderem durch Armut, Diskriminierung, oft mangelnde sprachliche Kenntnisse und Schwierigkeiten beim Schulbesuch geprägt sind, massiv gefährdet.
Zur Infoveranstaltung am Mittwoch, 17.10.2012 um 19 Uhr an der Katholischen Hochschule, bei der wir über weitere Erfahrungen unserer Studienfahrt berichten werden, sind alle Interessierten herzlichen eingeladen.

1 Zitat von Gazmen Salijevic, Mitarbeiter des European Center for Minority Issues in Pristina

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