Soziale Arbeit – im Auftrag der Sicherheit unterwegs?

Diesen und weitere spannende Artikel findet ihr in der „Gefährliches Pflaster“ – Zeitung zur Sicherheitskritik (.pdf)

Im Gegensatz zur Repression scheint Soziale Arbeit ein positives Image zu haben. So sieht der Leiter des Freiburger Vollzugsdienstes (VD) sich und seine Kolleg*innen „ein wenig wie Sozialarbeiter“ bzw. als „Sozialarbeiter mit Durchgriffsmöglichkeit“ (beides 2018). Angesichts dieser etwas eigenwilligen Interpretation von Sozialer Arbeit will sich der „Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit“ (aks Freiburg) in aller Deutlichkeit von den Aussagen des VDs distanzieren und klarstellen: Soziale Arbeit setzt sich für Menschen ein und ergreift Position gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung und Stigmatisierung! Und wenn schon der Bedarf an Sozialer Arbeit im öffentlichen Raum durch den VD gesehen wird, sollte auch bedarfsgerecht Soziale Arbeit finanziert und eingerichtet werden anstatt die Ordnungsbehörde zur Sozialen Arbeit umzuschreiben. In der „Sicherheits“-Debatte ist zu beobachten, wie die Soziale Arbeit, im Speziellen die Straßensozialarbeit, vereinnahmt und zu einem wichtigen Teil des Sicherheitspakets (SIPA) gemacht wurde.

So ist auch über Freiburg hinaus zu beobachten, dass „sicherheits- und ordnungspolitische Logiken fachliche Konzepte aufsuchender Sozialer Arbeit zunehmend durchdringen. Insbesondere das subjektive Sicherheitsgefühl entpuppt sich als zentraler Schlüsselbegriff, mit dem den Ängsten der Vielen eine stärkere Legitimität zugeschrieben wird“ (Marc Diebäcker) und die Sorgen und Nöte der Wenigen verschwiegen oder delegitimiert werden. Es kommt zu einer „strategische[n] Einbindung aufsuchender Sozialer Arbeit […], wenn sie in kleinräumige Sicherheitspartnerschaften eingebunden wird und über community policing Mehrheitsstrategien entwickelt werden, die Ausschließungstendenzen verschärfen und parteiliche Vertretung von Adressat_innenperspektiven begrenzen.“ (Diebäcker) „Teilweise werden kurzfristige Interventionen gegenüber längerfristiger Beziehungsarbeit als prioritär festgelegt, womit ein akzeptanzorientiertes und niederschwelliges Arbeiten weitgehend verhindert wird.“ Gleichzeitig wird damit „auch eine Tendenz zu neutralen Positionierungen verbunden“. Diese Problematik wird leider selbst von linken Gruppierungen übersehen, die „präventive“ Soziale Arbeit im Sinne eines allparteilichen Konfliktmanagements als Alternative zum repressiven VD in die politische Debatte einbringen. Doch der Wunsch nach Allparteilichkeit und „Neutralität“ drängt eine wichtige Aufgabe Sozialer Arbeit ins Abseits, nämlich Menschen und ihre Sichtweisen, die gesellschaftlich ausgegrenzt und nicht wahrgenommen werden, sichtbar zu machen. Nach unserer fachlichen Überzeugung muss Soziale Arbeit neben der konkreten Unterstützung dieser Menschen eine „Gegenöffentlichkeit herstellen, um lokale Probleme in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen“ (Butterwegge), und Partei ergreifen gegen Racial Profiling und staatliche Ausgrenzungstendenzen (Asylpolitik, …).