aks-Corona-Newsletter Nr. 3

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

Corona bestimmt weiterhin maßgeblich die Tagesordnung. Medien berichten fast durchgängig über das Thema und konstant kommen Leute zu Wort, denen aus verschiedenen Gründen ein ‚Expert*innen-Status‘ zugestanden wird. Derweil finden Sozialarbeiter*innen und Adressat*innen Sozialer Arbeit als Expert*innen für die massiven gesellschaftlichen und lebensweltlichen Auswirkungen der Pandemie jedoch kaum Gehör. Auch ‚Hilfspakete‘ und ‚Rettungsschirme‘ erreichen längst nicht alle betroffenen Gruppen und Einrichtungen.

Wir haben den Eindruck, dass derzeit überall – im Kolleg*innenkreis, in Teams, in Austausch mit den Menschen, mit denen wir arbeiten – über die Pandemie und ihre Auswirkungen gesprochen und debattiert wird, dass aber kaum etwas davon ‚nach außen‘ dringt, breiter geteilt wird oder Gehör erlangt. Dies ist unserer Ansicht nach aber unbedingt notwendig: Um Erfahrungen und Strategien zu teilen und auch, um politisch aktiv werden und Forderungen stellen zu können!

Als AKS möchten wir eine Plattform für den Austausch bereit stellen und euch ermutigen, eure Erfahrungen und Ideen mit uns und anderen zu teilen. Deshalb unser Aufruf an alle: Berichtet uns von eurer aktuellen Situation, euren Herausforderungen, euren Umgangsweisen! Ihr könnt uns…
… eine Mail schreiben: aks-freiburg@gmx.de
… anrufen (aks Nummer 01747541475) und Sprachnachrichten auf der Mailbox hinterlassen
… direkt in unser Sammelpad schreiben: Hier haben wir einen Punkt (1.5) für Erfahrungsaustausch eingerichtet.

Selbstverständlich werden alle eure Mitteilungen anonym behandelt. E-Mails und Sprachnachrichten werden wir – redaktionell angepasst und anonym – auf dem pad veröffentlichen.

Weitere Informationen und Neuigkeiten zu ‚Corona und Soziale Arbeit in Freiburg‘ sammeln wir ebenfalls auf diesem pad. Ihr habt alle Zugang!
Helft mit, uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten!
Hier eine Auswahl von Links, die ihr auch auf dem pad findet:

1. Zur Situation von Fachkräften

Erst wurde geklascht nun gibt es eine Klatsche! Gesten noch ‚systemrelevant‘ morgen schon wieder vergessen. Der aktuelle Umgang mit der Prämie für Pflegekräfte sollte uns mahnen das es mit der Aufwertung der Care-Arbeit sehr fragil ist: Statt einer einmalige Prämie braucht es eine dauerhafte Aufwertung eines ganzen Sektors, über die Corona-Pandemie hinaus. Aktuell werden viele Maßnahmen (Kurzarbeit, Prämien,…) über die Sozialversicherung finanziert – und es stellt sich die Verteilungsfrage: Warum werden gesamtgesellschaftliche Verpflichtungen nicht auch von Gutverdienenden, Kapitaleinkommen und Vermögenden getragen?

Gleichzeitig wurde das bisherige Arbeitszeitgesetz eingeschränkt und der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche gerade in den sogenannten ‚systemrelevanten‘ Bereichen ermöglicht.

Es gibt aktuell auch eine online-Umfrage „Arbeiten in der Corona-Krise“(ca. 15 min) durch die „Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften“ der Uni Osnabrück

2. Zur Situation der Adressat*innen

Seit Wochen wird an den Bedürfnissen von Menschen in Armut vorbei regiert. Eine höhere Grundsicherung oder ein Krisen-Zuschlag wird verweigert, während zugleich Tafeln geschlossen sind, Verpflegung in Schule und Kindergarten ausfällt und Lebensmittel teurer sind. Auch der Computer für das ‚Homeschooling‘ steht nicht selbstverständlich zur Verfügung (Tipp Schulmehrbedarf beantragen).
Vorschläge von tacheles zur Situation, die viel mehr Beachtung verdienen:
Tacheles – Vorschläge zum Umgang mit der Corona-Krise für einkommensschwache Haushalte / Version II (26.04.)

Hier eine Petition der Initiative Rechte statt Reste!

„Bestimmte gesellschaftliche Gruppen sind vor den Auswirkungen der Krise schlechter geschützt als andere. Das kann langfristig negative Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft haben (…) Die Corona-Krise verstärkt die soziale Ungleichheit im Land weiter – das spüren auch die Menschen. Nach milliardenschweren Rettungsschirmen für die Wirtschaft müssen wir nun entschieden gegen die Spaltung der Gesellschaft angehen“, so in einer aktuellen Studie der Böckler-Stiftung

Damit die (psychosozialen, ökonomischen,…) Krisenkosten nicht wie üblich bei uns abgeladen werden, sollten wir uns organisieren. Dazu Oliver Nachtwey „Die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen, zu etwa Dreivierteln handelt es sich um Frauen, sind in der Tendenz unterbezahlt. Ihre Arbeitsmarktmacht hat sich nun jedoch erheblich verbessert.“

3. Aktionen zum Mitmachen

Petition der Initiative Rechte statt Reste!

Online-Umfrage „Arbeiten in der Corona-Krise“ (ca. 15 min) durch die „Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften“ der Uni Osnabrück

„Soziale Arbeit ist unverzichtbar“ – Kampagne von ver.di, um Soziale Arbeit abzusichern und zu verbessern

freiebürger – die Straßenzeitung aus Freiburg braucht Spenden

4. Weiteres

Abschieben der Reproduktions- und Carearbeit in die Familien wie in den „guten“ alten Zeiten (vgl. auch 2.3 Kinder- und Jugendhilfe in unserem pad.).
https://taz.de/Homeschooling-in-Corona-Zeiten/!5678177/
Private Sorgearbeit: Systemrelevant und trotzdem weiterhin unsichtbar von Sonja Bastin

Die Mannheimer Corona-Studie: Schwerpunktbericht zu Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung

22.04.2020 Offener Brief: Obdachlosen- und Drogenhilfe FFM

Bleibt gesund und solidarisch!