aks-Newsletter 06/2020

Hallo kritische Soziale Arbeiter*innen,

die Termine des aks-Treffen fürs 2. Halbjahr (Di. 15.09., Mi. 14.10., Di. 17.11., Mi. 09.12.) ist noch nicht klar ob wir uns physisch treffen können, oder eine online-Variante durchführen, aber ihr könnt sie schon in den Kalender eintragen.

Kollektive Fortbildung zum Thema „Organizing“ zusammen Organisieren lernen immer am 4. Mittwoch/Monat 19 Uhr 24.06. / 22.07. (schreibt eine Email für mehr Infos)

Mit dem Sinken der Neuinfiziertenzahlen beginnt nun auch die Debatte darüber, wie mit den Folgen der aktuellen Krise umgegangen werden und wer für die Krise bezahlen soll. Spoiler: Wenn wir uns nicht organisieren, wird auch der Sozialbereich sicher mit dabei sein! 
In Freiburg gibt es die ersten Anzeichen einer Kürzungsdiskussion und auch auf der Bundesebene haben die kommunalen Arbeitgeber bei Tarifsondierungen signalisiert, dass es angesichts der angespannten finanziellen Lage nun weniger um Lohnerhöhungen gehen sollte. Derzeit wird befürchtet, dass Teile der Stadtverwaltung in Freiburg die Gelegenheit nutzen wollen, den „zu großzügigen“ letzten Doppelhaushalt zurechtzustutzen – Krise als Chance!
Von einer Initiative über den Städtetag für die Einführung einer Vermögenssteuer ist bis jetzt noch nichts zu hören. Gleichzeitig finden, wie im letzten Newsletter auch beschrieben, Verschlechterungen für die Klient_innen und die Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit statt, die gesellschaftlich keine Beachtung finden. Bis heute sind Transferleistungempfänger_innen nicht, z.B. mit einer Regelsatzerhöhung, unterstützt worden, um auch mit den höheren Kosten der Krise abzufedern. Beim Kinderbonus ist nicht klar, ob dieser in allen sozialen Sicherungssystemen anrechnungsfrei gestellt wird.

Gut, dass immer wieder auch soziale Bewegungen Themen in die Öffentlichkeit tragen, so wie z.B. Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle! des „Recht auf Stadt“ – Netzwerk, die den Mietwahnsinns in Freiburg aufzeigen und auch gegen das „Vergessen“ von Menschen mit wenig Einkommen bei sämtlichen Rettungspakten am Samstag (20.6.) protestieren. Ebenfalls am Samstag findet die Demo „Lager machen krank. Immer“ gegen Sammelunterkünfte und deren diskriminierende Sonderbehandlung von Menschen statt (www.aktionbleiberecht.de).

Diese Woche ging auch das Netzwerk solidarisches Gesundheitswesen auf die Straße, um gegen das Fallpauschalensystem zu demonstrieren und für die Vision eines solidarischen Gesundheitswesens zu werben.

Aber auch in der Sozialen Arbeit gibt es immer mehr Stellungnahmen und hoffentlich auch bald Aktionen, so vom aks Hamburg einen aktuellen Zwischenruf: Systemrelevanz? Nein! Systemtransformationsrelevant!
Systemrelevant bedeutet wörtlich, relevant für das System zu sein, aktuell also für den neoliberalen Kapitalismus. Die gegenwärtige Krise betrifft alle und wir sollten es darauf anlegen, progressiver aus ihr „rauszugehen“ als wir „reingegangen“ sind. Deshalb: system-überwindungs-relevant statt system-erhaltungs-relevant. Wir schlagen daher vor, den Begriff der „Systemtransformationsrelevanz“ als Perspektive für die grundlegende Veränderung aller gesellschaftlichen Sphären für ein Mehr an Kooperation und Emanzipation zu nehmen. Damit dies gelingen kann, braucht es wiederum kritische und solidarische Mitarbeiter_innen-Teams, die sich organisieren und in den veränderten Situationen Lösungen entwickeln, die für möglichst alle Beteiligten eine echte Chance und Neuorientierung ermöglichen.

Oder die der SAGE-Wissenschaftler_innen in gesellschaftspolitischer Verantwortung: „Heute stehen wir mit emanzipatorischem Anspruch für einen gesellschaftlichen Auftrag sozialer Gerechtigkeit und kritischer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen ein.“
In 11 Punkten führen sie Themenfelder aus und positionieren sich. So zum Beispiel
– „Anstehende Tarifverhandlungen sollten gerade in dieser Situation nicht verschoben, sondern genutzt werden, um weiter über eine angemessene Eingruppierung sowie die Realisierung der fachlich-ethisch notwendigen Fachkraft-Nutzer_innen-Relationen zu verhandeln.“
– „Aktuelle und noch zu entwickelnde Pandemiepläne müssen institutionelle Abhängigkeiten und den erhöhten Schutzbedarf von Nutzer_innen sozialer Unterstützungsleistungen und ihrem sozialen Umfeld angemessen berücksichtigen.“

Weitere Stellungnahmen, Studien und Berichte:
Soziale Arbeit im Ausnahmezustand?! Professionstheoretische Forschungsnotizen zur Corona-Pandemie

Who Cares? Hochschulen fordern bessere Arbeitsbedingungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen

DJI-Jugendhilfeb@rometer zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder- und Jugendhilfe
Die Studie basiert auf einer Onlinebefragung an der sich etwa zwei Drittel der deutschen Jugendämter beteiligt haben.

Sozialarbeiter zur Coronakrise – Für Obdachlose sind zentral gespeicherte Listen gefährlich

Solidarity-City veröffentlicht gerade thematische Newsletter 
(Nr. 1 Gesundheit, Nr. 2 Arbeitswelt Nr. 3 wird Wohnen sein), auch um eine Vernetzung, die umso wichtiger werden wird, wenn Kürzungen angekündigt werden.

Stellungnahme des AKS Berlin zum Bundesteilhabegesetz

Studie „Krisengerechte Kinder statt kindergerechtem Krisenmanagement?“ von Michael Klundt im Auftrag der Linksfraktion im Bundestag
Über die Studie wurde ausführlicher in der Welt am Sonntag berichtet.