aks-Newsletter 07/2020

Hallo kritische Soziale Arbeiter*innen,

bevor es in die Sommerferien geht, hier noch einen paar Infos von uns:

Treffen
Die kollektive Fortbildung zum Thema „Organizing“ zusammen Organisieren lernen findet am Mi. 22.07. 19 Uhr im grenzenlos (Adlerstr 12 Grether-Gelände) statt.

Diskussion
Empfehlen möchten wir euch zwei neue digitale Formate, die sich mit Sozialer Arbeit und Corona beschäftigen:
– Im Podcast ‚nah und distanziert‘ diskutieren die Podcaster*innen mit Sozialarbeitenden über die aktuellen Bedingungen und Herausforderungen von Sozialer Arbeit und sprechen mit ihnen über persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Zustände und ihre politischen Forderungen. http://nahunddistanziert.de/ oder auf https://www.youtube.com/results?search_query=%23nahunddistanziert
– Der Blog ‚SOZ PÄD CORONA‘ der Kommission Sozialpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft versammelt kurze Beiträge aus der Wissenschaft Sozialer Arbeit. Der Fokus liegt darin, sozialpädagogische Reflexionen über das, was geschieht sowie mögliche Gestaltungen bzw. Positionierungen der Sozialen Arbeit anzubieten. https://sozpaed-corona.de

Soziale Ungleichheit und Corona
Corona und ihre Folgen sind noch nicht ausgestanden, vieles wird wohl erst noch kommen. Analysen der Hans-Böckler-Stiftung und der Uniklink Düsseldorf und der AOK kommen zu dem Schluss, dass Corona sozial Benachteiligte härter trifft und die Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft bei niedrigerem Einkommen deutlich häufiger und hartnäckiger ist, aber auch die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement steigt je höher das Einkommen ist.
https://www.boeckler.de/pdf/pm_wsi_2020_07_10.pdf & https://www.labournet.de/politik/wipo/wipo-deb/wipo-all/soziale-ungleichheit-hierarchie-der-not-wer-unten-steht-leidet-mehr-die-corona-krise-verdeutlicht-und-verschaerft-die-soziale-ungleichheit/ & https://www.tagesschau.de/inland/corona-sozial-schwache-101.html
Eine Aufstockung der Sozialleistungen (Hartz IV und Co.) gibt es ja bis heute nicht. Stichwort #100EuroMehrSofort.

Zur Frage nach dem Zusammenhang von ‚sozialen Determinanten von Gesundheit in der Corona-Pandemie‘ verweisen die Kritischen Mediziner*innen Freiburg mit einer Mindmap die hier abzurufen ist: https://kritmedis.de/wp-content/uploads/2020/07/Endg%C3%BCltige-Version-Mind-Map.pdf

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge warnt vor härteren Verteilungskämpfen in Folge der Coronakrise im Hinblick auf die Frage: Wer zahlt die Krise? https://www.neues-deutschland.de/artikel/1138212.corona-und-soziale-folgen-wer-zahlt-die-krise.html
Auf die Verteilungskämpfe sollten wir uns vorbereiten und uns jetzt inhaltlich und organisatorisch aufstellen. Denn sie werden kommen und wenn dem nichts entgegengestellt wird, wird es vielen (gerade auch den Menschen, mit denen wir arbeiten) noch schlechter gehen.
Da sei nochmal an den Zwischenruf: Systemrelevant? Nein! Systemtransformationsrelevant! https://akshamburg.wordpress.com/2020/06/13/ein-zwischenruf/ erinnert. Lasst uns eine solche „Systemtransformationsrelevanz“ erarbeiten, um nicht lediglich Abwehrkämpfe zu führen.
In diesem Zusammenhang der Hinweis auf die aktuelle Kampagne http:/hartzfacts.de. Sie will Schluss machen mit Vorurteilen und liefert Fakten. Denn eine gelungene Spaltung und Diffamierung ist die legitimatorische Grundlage, Menschen eine wirkliche Existenzsicherung vorzuenthalten. Und wie in allen Krisenzeiten sind es Bilder der ‚faule Griechen‘ oder von ‚Sozialtourismus‘, die Solidarität verhindern sollen.

Solidarität schaffen will Solidarity-City Freiburg. Der Zusammenschluss veröffentlicht aktuell regelmäßig thematische Newsletter. Bis jetzt sind drei zu den Themen erschienen: Gesundheit, Arbeitswelt und Corona sowie Wohnen und Corona erschienen. Sie können hier abgerufen werden: https://www.freiburger-forum.net/solidarity-city/solidarity-city-newsletter-in-zeiten-von-corona/ Weitere sind geplant zu: Polizei und Rassismus, Armut, Flucht und Migration, Pflege, Bildung, Kunst und Kultur, Umwelt und Klimaschutz, Rüstung

Soziale Berufe attraktiv, aber unterbezahlt
Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Familienministeriums zur Aufwertung von sozialen Berufen https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-726531.html Allerdings sind solche Studien das eine, etwas ganz anderes ist dagegen die konkrete Politik. So haben die kommunalen Arbeitgeber in der aktuellen Tarifauseinandersetzung im Öffentlichen Dienst deutlich gemacht, dass sie keine Lohnerhöhungen bezahlen wollen.
https://ver-und-entsorgung.verdi.de/branchen/troed-2020/++co++ae979e34-b536-11ea-9375-001a4a160117
Nun geht es in dieser Auseinandersetzung um alle Beschäftigten bei Bund und Kommunen und nicht nur um den Sozial- und Erziehungsdienst. Trotzdem sind natürlich auch die Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen betroffen, deren Arbeitgeber den TVöD anwenden oder sich daran orientieren. Gerade wegen Corona und der aktuellen Debatte sollten wir jetzt für ein gesellschaftliche Aufwertung streiten, die übers symbolisches Beifall-Klatschen hinausgeht und sich auch in einer besseren Bezahlung zeigt.

Dazu gehört auch, wie die Social Media Kampagne #praktischpleite – für eine Verbesserung der Praktikumsbezahlung in der Sozialen Arbeit https://www.facebook.com/Junger.DBSH.Freiburg/ &https://www.instagram.com/jungerdbshfreiburg/ aufzeigt, bereits das Studium und die dazugehörige Kosten und Unterbezahlung im Praxissemester in den Blick zu nehmen!