Wohnungen für alle!

Die derzeitige Wohnraumpolitik und die Wohnungslosenhilfe verhindern, dass alle Menschen eine Wohnung erhalten

Die existierenden Angebote und Einrichtungen der Freiburger Wohnungslosenhilfe bieten Menschen ohne Wohnung Unterstützung, machen sie jedoch nicht weniger wohnungslos. Die Vermittlung in Wohnraum findet kaum statt. Grund dafür ist der Mangel an angemessenem und bezahlbarem Wohnraum. Um den wenigen Wohnraum müssen wohnungslose Menschen konkurrieren. Das Hilfesystem reagiert mit Vergabekriterien. So müssen Personen, die auf das Hilfesystem angewiesen sind, vor dem Erhalt einer Wohnung ihre „Wohn-“ bzw. „Mietfähigkeit“ unter Beweis stellen. Diejenigen, die die geforderten Kriterien nicht erfüllen, erhalten auch nach Jahren nur schwer eine Wohnung. Für die Lösung dieser Problematik braucht es einen Paradigmenwechsel in der Wohnraumpolitik. Ein Bemühen der derzeitigen Wohnraumpolitik, Wohnungslosigkeit zu beseitigen, ist jedoch nicht zu erkennen. Anstatt strukturelle Ursachen von Wohnungslosigkeit zu bekämpfen, macht sie Betroffene für ihre Lage allein verantwortlich.

Fest steht: Gäbe es genügend Wohnraum für alle, müsste die Wohnungslosenhilfe nicht mehr auf fadenscheinige Konzepte wie das der „Mietfähigkeit“ zurückgreifen und könnte sich auf Hilfen zur Wohnraumsicherung konzentrieren.

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Die strukturellen Ursachen von Wohnungslosigkeit

Das Problem ist nicht, dass Menschen nicht zum Wohnen oder Mieten fähig sind – vielmehr sind die Probleme von Wohnungslosigkeit strukturell, im System verankert und vielschichtig. So gibt es landesweit und auch in Freiburg nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum und die Mieten steigen kontinuierlich. Mehr und mehr wird Wohnraum privatisiert und zur Ware gemacht. Rendite wird in den Mittelpunkt gestellt, die Bedürfnisse der Menschen bleiben außen vor. Bestandswohnungen werden abgerissen, anstatt sie zu sanieren und weiterhin günstig zu vermieten. Wohnungen und Häuser stehen leer. Personen können Zweitwohnsitze anmelden, obwohl andere nicht einmal eine Wohnung haben. Neubauten entstehen vor allem im Luxussegment, neuer bezahlbarer Wohnraum wird kaum geschaffen. Der Kampf um Mietendeckelung scheitert am Widerstand der Profiteur*innen. Mietpreisbindungen bei Sozialwohnungen sind zeitlich begrenzt.

Housing First verwirklicht das Menschenrecht auf Wohnen

Ein Konzept, das den Paradigmenwechsel in der Wohnraumpolitik und der Wohnungslosenhilfe in den Blick nimmt, ist Housing First. Bei Housing First stehen der selbstbestimmte Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt. Die eigene Wohnung, die Sicherheit, Ruhe und Privatsphäre bietet, steht am Anfang der Hilfen. Menschen werden direkt in eigenen Wohnraum mit abgesichertem Mietvertrag vermittelt. Dafür müssen sie nicht zuerst ihre „Mietfähigkeit“ beweisen. In der eigenen Wohnung werden die NutzerInnen von Housing First nach ihren Bedürfnissen durch Sozialdienste und medizinische, psychiatrische und psychologische Fachkräfte unterstützt, solange sie möchten. Die Unterstützung ist nicht an Bedingungen geknüpft, die Selbstbestimmung und Wünsche der Nutzerinnen stehen im Vordergrund.
Housing First funktioniert
Zahlreiche Studien zeigen, dass Housing First Wohnungslosigkeit beenden kann. Nutzer*innen von Housing First können ihre Wohnungen langfristig halten und ihre Lebenssituation verbessern. Beispielsweise setzt Finnland Housing First flächendeckend und erfolgreich als Teil der nationalen Strategie gegen Wohnungslosigkeit um.

Wir fordern:

  • Wohnen nicht als Fähigkeit, sondern als Menschenrecht anzuerkennen!
  • Bezahlbare, ökologisch und demokratisch verwaltete Wohnungen für alle!
  • Die Beendigung der profitorientierten Mietpolitik!
  • Sozialen Mietwohnungsbau statt Eigentumsförderung!
  • Einen Stopp von Zwangsräumungen und Delogierungen!
  • Die Beseitigung von Wohnungsleerstand!
  • Den Schutz von Bestandswohnungen!
  • Mietendeckelung, Mietpreisbindung und Vergesellschaftung von Wohnraum!
  • Städtischen Druck auf Land und Bund für eine soziale Wohnpolitik!
  • Hilfe zum Wohnen und zur Wohnraumsicherung in Form einer flächendeckenden Umsetzung von Housing First in Freiburg!

AG housing first

Wir beschäftigen uns mit der Situation von wohnungslosen Menschen und der damit verbundenen Sozialen Arbeit. Unser Ziel ist es das Konzept von Housing-First bekannter zu machen und dafür zu sorgen, dass es in Freiburg eingesetzt wird.

Dazu gehört unter anderem, dass wir…

  • die aktuelle Lage kritisieren
  • Stellungnahmen verfassen
  • Veranstaltungen (wie z.B. Vorträge zum Konzept Housing-First) organisieren
  • uns aktiv in die Kommunalpolitik mit einmischen