Stellungnahme zum aktuellen Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Stadt Freiburg

Für ein solidarisches & gewaltfreies Freiburg – für alle!

Stellungnahme von mehr als 30 Freiburger Gruppen und Einrichtungen

Stellungnahme | Im Oktober 2018 wurde in Freiburg eine Frau* durch mehrere Täter vergewaltigt. Erst neun Tage später gelangte der Vorfall bundesweit in die Schlagzeilen. Vorschnell wurden Forderungen nach Ausgangssperren für Geflüchtete oder Sicherheitsmaßnahmen zum “Schutz der deutschen Frau” laut: Die rassistisch aufgeladene Debatte nahm ihren Lauf. Die Tat und sexualisierte Gewalt an sich gerieten einmal mehr in den Hintergrund.
Zur gleichen Zeit wurden in Freiburg die ersten Austauschtreffen unter dem Titel “Antirassistischer Feminismus” organisiert. Unterschiedliche Gruppen und Einzelpersonen wollten den Vereinnahmungen und symbolpolitischen Maßnahmen widersprechen und andere, solidarische Ansätze sichtbar machen. Es war der Versuch der verschärften Sicherheitsdebatte einen Diskussionsraum entgegenzustellen, in dem eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex sexualisierte Gewalt möglich ist. Aus diesem Zusammenhang ist eine Stellungnahme entstanden – 33 Freiburger Gruppen haben sie unterschrieben.
Heute soll im Freiburger Gemeinderat eine Aufstockung des kommunalen Vollzugsdienst beschlossen werden. Zudem soll der Gemeinderat die bisherigen und geplanten Maßnahmen der “Sicherheitspartnerschaft Sicherer Alltag” mit dem Land “zustimmend zur Kenntnis nehmen”. Darin ist unter anderem die Ausweitung der Videoüberwachung (Einrichtung ab Mitte des Jahres), weitere Großrazzien (sog. Schwerpunktaktionen an speziellen Fahndungstagen) oder der Betrieb eines regionalen “Sonderstabs gefährliche Ausländer” im Regierungsbezirk Freiburg geregelt.
Damit ist diese Stellungnahme kein Nachruf auf ein einmaliges Problem. Es ist ein Aufruf, sich einer autoritärer werdenden Politik entgegenzustellen.
Für ein solidarisches und gewaltfreies Freiburg – für alle!

Aktion Bleiberecht Freiburg
i.A. “Bündnis Antirassistischer Feminismus”

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aks Bundestreffen in Freiburg (17-19. Nov 2017)

am 17-19. November 2017 findet in Freiburg das aks Bundestreffen an der PH Freiburg statt.

aks_Bundestreffen_2017-Programmablauf (.pdf)

Wir sind die Guten! ? – Soziale Arbeit in ein- und ausgrenzenden Verhältnissen

Wir wollen an die Thematik des letztjährigen aks-Bundestreffens in München anknüpfen. Die Verhältnisse, in denen wir leben, produzieren Eingrenzungen, Ausgrenzungen und Begrenzungen, von denen wir in unterschiedlicher Weise betroffen sind. Aspekte dieser Verhältnisse sind beispielsweise Rassismus, Prekarisierung von Arbeit und Leben, Benachteiligungen aufgrund von Merkmalen wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder der Behinderung von Menschen u.a. durch mangelnde Barrierefreiheit. Sie existieren nebeneinander, sind aber auch miteinander verwoben.

Soziale Arbeit ist einerseits mit diesen vielfältigen Ein- und Ausgrenzungsformen konfrontiert, andererseits ist sie selbst Teil dieser Verhältnisse und somit in diese verstrickt. Teilweise agieren wir als Akteur_innen Sozialer Arbeit hilflos, teilweise unterstützen wir diese Strukturen oder produzieren sie sogar durch vermeintlich professionelles Handeln selbst.

Aus der Perspektive kritischer Sozialer Arbeit möchten wir uns mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

Wie können wir uns als Akteur_innen Sozialer Arbeit in und zu diesen Verhältnissen positionieren?

  • Was können wir Ein- und Ausgrenzungen entgegensetzen?
  • Wie kann Soziale Arbeit so gestaltet werden, dass sie nicht so sehr Teil dieser Prozesse von Ein- und Ausgrenzung wird?
  • Welche professionellen Strategien oder Haltungen sind hierfür erforderlich bzw. hilfreich?

Wir verstehen das aks-Bundestreffen in Freiburg als ein Forum, um sich über diese und weitere Fragen auszutauschen, zu diskutieren und zu streiten.

Vorträge und Workshops:

Rudolf Leiprecht: „Was wir wollen, wofür wir bezahlt werden und was eigentlich geht … .“ – Zur Verstrickung in Rassismen und Ungleichheitsverhältnissen bei Sozialer Arbeit und die Frage nach der Erweiterung von Möglichkeitsräumen
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, ein wunderschöner Satz, den Professionelle Sozialer Arbeit, die sich selbst als kritisch verstehen, vermutlich gerne für alle Winkel und Ecken der Gesellschaft eingelöst sehen würden. In ihrer alltäglichen Arbeit erleben sie jedoch oft, wie weit die konkreten Verhältnisse davon entfernt sind. Noch unbefriedigender wird es, wenn der enge nationalstaatliche Rahmen, in dem Sozialpolitik und Soziale Arbeit angesiedelt sind, zumindest perspektivisch verlassen und der Satz in einen weltgesellschaftlichen Rahmen gestellt wird. Wir alle haben mit diesen Verhältnissen zu tun und sind in ihnen verstrickt, allerdings in sehr unterschiedlicher Weise, in unterschiedlichen sozialen Positionierungen und Lebenslagen und mit unterschiedlichen Biographien. Gleichzeitig gehen diese Verhältnisse und Verstrickungen auch in unsere beruflichen und organisationalen Strukturen, Ordnungen, Deutungs- und Handlungsmuster ein. Von dieser Einschätzung ausgehend möchte ich eine bestimmte Theorieskizze vorstellen und diskutieren: Bei dieser Perspektive handelt es sich um eine Erweiterung von Möglichkeitsräumen, die sich nicht in Anerkennung und Unterstützung der vorherrschenden Macht, auf Kosten anderer und unter Hinnahme aktuell ungerechter Verhältnisse vollziehen soll, sondern um eine Erweiterung in solidarischer und intersubjektiver Kooperation mit anderen.

Nausikaa Schirilla: „Administration, Dissens, Politik – Überlegungen zum politischen Potential Kritischer Soziale Arbeit“
Soziale Arbeit ist über verschiedene Ein- und Ausgrenzungen Teil etablierter Ordnungen. Sie trägt dazu bei, diejenigen, die an Machtverhältnissen keinen Anteil haben, in diesen zu halten. Für Jacques Rancière stellt Politik immer einen Dissens dar, der den „Anteillosen“ eine Stimme jenseits der formellen Repräsentationsrituale gibt. Im Anschluss an Rancière stellt sich die Frage, wie kann dieser Dissens, dieser Bruch in der Sozialen Arbeit vollzogen und wie kann dieser dauerhaft politisch werden.

 

Workshops:

  • Soziale Arbeit und Abschiebung (AKS München)
  • Soziale Arbeit und SGB II (AKS Freiburg)
  • Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit (AKS Freiburg, FAU)
  • Ideen zu Solidarity Cities (Solidarity Cities Gruppe Freiburg)
  • Verknüpfung mit Care Revolution (Gabriele Winker: TU Hamburg, Feministische Institut Hamburg, Care Revolution)
  • Austausch und Vernetzung für People of Colour (AKS Freiburg)
  • Soziale Arbeit und soziale Bewegungen (Susanne Maurer, Universität Marburg)
  • Bausteine gegen antimuslimischen Rassismus (Mihri Özdoğan / Andreas Hastreiter, Hochschule Landshut)

Kontakt und Anmeldung unter: aks-bundestreffen-freiburg@gmx.de bis zum 20. Oktober
Weitere Informationen unter: http://www.aksfreiburg.wordpress.com

gefördert durch:

und kritischer Soziale Arbeit!